Unsere FSJler 2018/19 Alexander Schreml und Angelique Haas

Mein FSJ an der BBS SGH Ludwigshafen

Zwischen Migrationspädagogik und persönlicher Entfaltung

Seit September 2016 absolviere ich nun mein Freiwilliges Soziales Jahr an der Berufsbildenden Schule Sozialwesen, Gesundheit und Hauswirtschaft in Ludwigshafen. Als ich dort im Herbst anfing, wussten weder meine Mentoren Frau Griem und Frau Dr. Pawlik, noch ich, was uns genau erwarten würde. Als erste FSJlerin dieser Schule legte ich den Grundstein dieses Projektes an der BBS und startete selbst in einen neuen Lebensabschnitt. Denn nun bin ich nicht mehr nur eine Lernende an einer Schule, sondern auch eine Lehrende.
Ich betreue die Schüler der fünf Migrationsklassen in den Bereichen Hausaufgaben- und Individualbetreuung und biete wöchentlich Methodentraining an. Des Weiteren unterstütze ich die Lehrkräfte im Unterricht und führe die Aufnahme der neuen Schüler durch. Mit den DaZ-Lehrern und Klassenleitungen stehe ich in einem regen Austausch.
Trotz der sprachlichen und kulturellen Unterschiede der verschiedenen Nationen, die in den Klassen vertreten sind, besteht ein angenehmes und freundliches Arbeitsklima. Es überrascht mich immer wieder aufs Neue, wie es möglich ist, sich mit Händen und Füßen zu verständigen, wenn die Sprache nicht die gleiche ist. Trotzdem habe ich erst hier verstanden, wie schwer es für Menschen ist, wenn sie der deutschen Sprache nicht mächtig sind und sich dennoch, meist allein, hier zurechtfinden müssen. Das Erlernen einer anderen Sprache und einer anderen Schrift ist extrem schwierig, vor allem, wenn sie einem nicht in der eigenen Sprache gelehrt werden kann. Viele dieser Schüler steht nicht einmal ein Wörterbuch in ihrer eigenen Sprache zur Verfügung und so kann es manchmal sehr lange dauern, bis die Aufgabenstellung verstanden wird.
Neben dem Sprachunterricht wird den Schülern der deutsche Alltag und die deutsche Kultur nähergebracht. Auch Fächer wie Fachrechnen, Datenverarbeitung, Sport und berufsbezogenen Unterricht, in dem die Schüler mehr über Ausbildungsberufe und Bewerbungen erfahren können, stehen bei den Jugendlichen auf dem Stundenplan.
Anfangs fiel es mir schwer, den richtigen Grad im Nähe- und Distanz-Verhalten zu finden, da ich mir wünschte, eine vertrauensvolle Bezugsperson für die Schüler zu sein und dennoch mit Respekt behandelt werden wollte.  Darüber hinaus befürchtete ich, dass der geringe Altersunterschied zu einem Problem werden könnte. Doch diese Sorgen blieben unbegründet, da die Schüler mich in den meisten Fällen als eine Unterstützung der Lehrer respektierten. Ich lernte schnell, dass eine offene, zugewandte Haltung sehr wichtig ist, um ein gutes Verhältnis zu den Schülern aufzubauen und wenn ich auch nicht immer gleich verstanden habe, was sie von mir wollen, entstand das eine oder andere vertrauensvolle Gespräch.

Jetzt, fast am Ende meines Freiwilligen Sozialen Jahres angekommen, kann ich sagen, dass es die richtige Entscheidung war, mich nicht gleich ins Studentenleben zu stürzen, sondern mir ein Jahr zu nehmen, um es der Arbeit mit Flüchtlingsjugendlichen zu widmen. Ich habe zu dieser Zeit viel über Sprache, den Lehrberuf und die Arbeit mit Migranten gelernt und es war eine sehr anregende und faszinierende Erfahrung. Ein FSJ bietet nicht nur eine bessere Orientierung für die Berufswahl und eine Überbrückung von der Schule zum Studium, sondern auch einen Einblick in die Arbeitswelt. Ich persönlich würde es all denen empfehlen, die bisher noch keinerlei praktische Erfahrungen gesammelt haben. Für viele ist die Arbeit mit Flüchtlingsjugendlichen auch eine sichere Möglichkeit, Vorurteile abzulegen. Ich erlebte hier den Dank, der einem für die Aufmerksamkeit, die man den Schülern schenkte, entgegengebracht wurde, in einem ganz neuen Ausmaß.

Lea Kiesel
FSJlerin an der BBS SGH Ludwigshafen

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