1. Was ist "Schule ohne Rassismus- Schule mit Courage"?

Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage ist ein Projekt für alle Schulmitglieder. Es bietet Kindern, Jugendlichen und Pädagog*innen die Möglichkeit, das Klima an ihrer Schule aktiv mitzugestalten, indem sie sich bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt wenden. Wir sind das größte Schulnetzwerk in Deutschland. Ihm gehören rund 3.500 Schulen an, die von mehr als zwei Millionen Schüler*innen besucht werden (Stand: Juli 2021). Unterstützt werden die Schüler*innen und Pädagog*innen dabei von mehr als 100 Koordinierungsstellen und 350 außerschulischen Kooperationspartnern.
(https://www.schule-ohne-rassismus.org/mitmachen/weitere-tipps-at/)

2. Warum wollen wir Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage werden?

Kinder und Jugendliche sind im Netzwerk Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage aktiv, weil es sie stört, wenn Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder aufgrund ihrer Religion beschimpft, gemobbt oder gar körperlich bedroht werden. Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage ist ein Projekt für alle Schulmitglieder. Es bietet Schüler*innen und Pädagog*innen die Möglichkeit, das Klima an ihrer Schule aktiv mitzugestalten. Und zwar, indem sie sich bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt wenden. Wir sind das größte Schulnetzwerk in Deutschland. Ihm gehören über 3.000 Schulen an. Sie werden von mehr als zwei Millionen Schüler*innen besucht. Unterstützt werden die Schüler*innen und Pädagog*innen dabei von mehr als 100 Koordinierungsstellen und rund 400 außerschulischen Kooperationspartnern.

Euer Engagement zählt
Die Courage-Schulen mit den Schüler*innen und Pädagog*innen sind natürlich die wichtigsten Akteure im ganzen Netzwerk. Um eure Ideen, eure Anliegen und euer Engagement geht es! Die Landes- und Regionalkoordinationen, die Bundeskoordination, die Kooperationspartner und eure Pat*innen sind dazu da, euch zu unterstützen, damit ihr etwas bewegen könnt. Denn das könnt ihr tatsächlich. Bisweilen geht im Alltag verloren, an welch großem Rad ihr mit euren Aktivitäten dreht und es würde jeden Rahmen sprengen, all die Aktionen zu würdigen. Sie reichen von Konzerten gegen Rassismus und gemeinsamen Demonstrationen in der Stadt über Diskussionsrunden mit Politiker*innen bis hin zu Gedenkveranstaltungen, Projekttagen und Ausstellungen. Genauso finden Theatervorstellungen, Workshops, Vernetzungstreffen und Kunstaktionen statt. An fast jedem Tag im Jahr finden bundesweit mehrere Aktionen für ein diskriminierungssensibles Miteinander an den Courage-Schulen statt.

3. Wie werden wir Courage-Schule? Was müssen wir dafür tun?

Liebe Schulmitglieder,
wundert ihr euch vielleicht schon über diese Ansprache und fragt euch, wer mit „Schulmitgliedern“ gemeint ist? Na, alle Menschen, die an einer Schule lernen, lehren oder arbeiten. Schließlich prägen sie alle, wenn auch auf unterschiedliche Weise, die Stimmung im Schulalltag und bestimmen gemeinsam, ob ein offenes Schulklima gelebt wird, in dem sich alle wohlfühlen und ob an der Schule jede Form von Gewalt und Diskriminierung geächtet wird. Daran wirken alle mit. Deshalb sprechen wir die Schüler*innen, die Lehrer*innen, die Sozialpädagog*innen, die Hausmeisterin oder den Hausmeister, die Mitglieder der Schulleitung und andere Personengruppen an dieser
Stelle nicht einzeln an, sondern eben als Schulmitglieder.

Diese Informationen gehen alle Schulmitglieder in besonderer Weise an. Denn nur dann, wenn mindestens 70 Prozent von ihnen das Selbstverständnis einer Courage-Schule annehmen wollen und dafür stimmen, ihre Schule auch in das Netzwerk Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage aufgenommen wird.

Eine Selbstverpflichtung und kein Zertifikat

Bevor ihr die nächsten Schritte durchführt, um in das Netzwerk Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage aufgenommen zu werden, informiert euch ausführlich, was das Logo am Schulgebäude bedeutet und was es nicht aussagt. Der Titel sagt beispielsweise nichts aus über die bisherigen Aktivitäten der Schule. Er ist keine Auszeichnung, kein Preis und keine Belohnung für zurückliegende Projekte. Er ist kein Zertifikat, Siegel oder Garantieschein, der behauptet: an dieser Schule gibt es keinen Rassismus. Dies anzunehmen wäre schon deshalb Unsinn, weil es keine einzige Schule gibt, an der niemals Diskriminierung stattfindet.

Für eine Kultur des Hinsehens

Die Bezeichnung deiner Schule als Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage zeigt das an, was tatsächlich stimmt. Das Logo an der Schulwand bedeutet: An dieser Schule erklärten mindestens 70 Prozent der Schulmitglieder in einer geheimen Abstimmung, „ich werde mich aktiv gegen Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, einsetzen.“ Sie erklärten damit auch: Wenn es zu Gewalt und Diskriminierungen an ihrer Schule kommt, dann werden sie nicht wegschauen und schulterzuckend vorbeigehen, sondern sich aktiv mit der Situation auseinandersetzen. Schließlich ist der Titel kein Zauberstab, der menschenfeindliche Einstellungen wie Rassismus, Antisemitismus, Homophobie, Muslimfeindlichkeit oder die Herabwürdigung von Frauen einfach ausradiert. Ab jetzt wollen sich viele Menschen an dieser Schule aktiv gegen Ungleichwertigkeitsdenken und Diskriminierungen jeder Art einsetzen. Darauf kommt es an, daran erinnert sie das Schild am Schulgebäude täglich.

Der Text der Selbstverpflichtung macht dies deutlich:

  1. Ich setze mich dafür ein, dass meine Schule nachhaltige Projekte, Aktionen und Veranstaltungen durchführt, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.
  2. Wenn an meiner Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, dann wende ich mich dagegen, spreche dies an und unterstütze eine offene Auseinandersetzung, damit wir gemeinsam Wege finden, einander respektvoll zu begegnen.
  3. Ich bin aktiv, damit meine Schule jedes Jahr Projekte gegen alle Formen von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, durchführt.

    (https://www.schule-ohne-rassismus.org/mitmachen/courage-schule-werden/)


4. Wahlen an unsere Schule – Wie machen wir das?

Wir sind eine große Schule mit zwei Schulstandorten, daher müssen wir die Wahlen gut organisieren.
Die Wahlen werden separat in der Pfalzgrafenstraße und der Hochfeldschule stattfinden. Der Wahltag wird rechtzeitig bekannt gegeben und wird in beiden Schulen ausgehängt.
Jede Klasse wird eine eigene Wahl durchführen. Die Wahlen werden von den Klassensprecher*innen organisiert. Sie werden unterstützt von einer Lehrkraft und der Schulsozialarbeit.
Die Lehrkräfte und Mitarbeitenden der Schule wählen im Lehrerzimmer. Die Wahlurne und die Wahlzettel werden dort bereitstehen.
Die Wahlen werden, wie die „richtigen Wahlen“ geheim stattfinden. Dass heiß jede*r bekommt einen Wahlschein. Diesen füllt sie/er aus und faltet ihn zusammen und wirft ihn in die Wahlurne. Die Klassensprecher*innen führen die Wahl durch und beaufsichtigen die Wahlurne. Die Urnen werden erst geöffnet, wenn alle gewählt haben. Erst dann werden die Stimmen gezählt. Wenn wir 70% geschafft haben (und
wir werden es schaffen) , schicken wir unser Wahlergebnis an die Bundeszentrale für politische Bildung. Diese bestätigt das Wahlergebnis. Und dann wird es eine offizielle Einweihung und Feier geben.
Ab dann können wir loslegen und von den vielen Angeboten, Workshops und Materialien profitieren und bei Treffen und Events mitmachen!
Und natürlich können wir kreativ werden und uns selbst Projekte überlegen und durchführen!

Wenn Ihr/Sie Fragen habt oder helfen wollt, meldet euch oder kommt einfach bei uns vorbei!

Eure Schulsozialarbeit
Tanja Riegger und Shilan Dewitz

Büro der Schulsozialarbeit: Pfalzgrafenstraße 3 in P01a
Tanja.Riegger@sozhw-bbslu.de Mobil: 0151-14581888
Shilan.Dewitz@sozhw-bbslu.de Mobil: 0174 161 25 61

Elternbrief zu Schule ohne Rassismus zum Download

Rheinpfalz/Ludwigshafener Rundschau vom 11.09.2021

Vor den Nazis nach England geflohen

Weitere Stolpersteine im Stadtteil Süd gesetzt

Von Andrea Döring

Fünf Stolpersteine erinnern seit Donnerstag in der Beethovenstraße an das Schicksal der jüdischen Familie Koebner. Eine Klasse der Anna-Freud-Schule hat die besondere Gedenkfeier gestaltet. „Manchmal denke ich, ich bin wie ein Baum, den man versetzt hat, ohne dass er neue Wurzeln in einem neuen Land gefunden hat“, sagte der Ludwigshafener Adolf Koebner. Ihm, seinen Geschwistern und seinen Eltern gelang nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten die Flucht nach England. Sein Vater Max Koebner, Chefchemiker bei der Firma Raschig, und seine Frau Mirjam ließen ihr Hab und Gut in Ludwigshafen zurück. „Es ist gut, den Menschen zu zeigen, dass man an sie denkt“, findet Maja Meißner. Wie viele ihrer Mitschüler der Anna-Freud-Schule hat sie die Stolpersteine im Unterricht kennengelernt. Ethik-Lehrer Rainer Rannow hatte in seinen Stunden Vorurteile, Stereotypen und Rassismus zum Thema gemacht. Zusammen mit ihm, den Schulsozialarbeiterinnen Shilan Dewitz und Tanja Riegger und Referendar Daniel Welke begannen die Schüler der Höheren Berufsfachschule Sozialassistenz ein Projekt zum Thema Stolpersteine. Diese kleinen Gedenktafeln im Boden erinnern an das Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Ihren Platz finden die Messingtafeln vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer. Einige Nachfahren der Familie Koebner waren bei der Feier am Donnerstag per Livestream dabei. Lebhaft hat die Klasse diskutiert, ob eine Verlegung im Boden nicht bedeutet, das Schicksal der Opfer mit Füßen zu treten. „Man muss sich darüber beugen und in die Knie gehen, um die Inschrift lesen zu können“, sagt Aileen White. Zusammen mit ihren Mitschülern legte sie weiße Rosen neben den Stolpersteinen auf den Gehweg vor dem Haus. Von hier aus hatte es Max Koebner nicht weit zur Arbeit. Bei der Firma Raschig war er seit 1899 Chefchemiker und Leiter des wissenschaftlichen Labors. An der Entwicklung des Kunstharzes Vitalite und von Kunstharz-Pressmassen war er maßgeblich beteiligt. Die synthetische Billardkugel ist seine Erfindung. Von der Firma Raschig war niemand zur Feier gekommen. Karin O’ Hagan von der Personalabteilung bedauert dies. „Wir hätten mit Sicherheit reagiert, wenn die Einladung die richtige Person erreicht hätte“, erklärte sie auf Nachfrage. Mit seiner Frau Mirjam und den Kindern feierte der Ludwigshafener die jüdischen Feste. Zur Bar Mizwa der Kinder kamen viele Gäste in die Beethovenstraße. Hans, Ruth und Adolf gelang bereits 1933 auf Betreiben des Vaters die Ausreise. Trotz der schlechten Zeiten konnten sie in England und Palästina studieren. Nur mit Handgepäck schafften Max und Mirjam Koebner 1938, ihren Kindern zu folgen. In Ludwigshafen hatte man dem Chemiker als Geheimnisträger den Pass entzogen. In Mannheim, wo er weniger bekannt war, gelang es dem Ehepaar, eine Genehmigung für eine Urlaubsreise zu bekommen, von der sie nicht nach Ludwigshafen zurückkehrten. Flucht und Vertreibung, dieses Schicksal traf Menschen nicht nur im 20. Jahrhundert. Große Hoffnung für die Zukunft setzte Adolf Koebner 1990 in einem Interview auf die jungen Menschen. Die Schüler der Anna-Freud-Schule haben einen Teil dazu beigetragen, dass Geschichte sich nicht wiederholt.

Einladung zur Stolpersteinverlegung in Gedenken an die Familie Koebner

Die Anna-Freud-Schule BBS möchte sie herzlich zur Stolpersteinverlegung in Gedenken an die Familie Koebner am 09.09.2021 um 14:30 Uhr in der Beethovenstraße 16 in Ludwigshafen einladen.

Hier finden sie den Flyer zu der Veranstaltung.

Im Rahmen der Projektarbeit zum Thema Stolpersteine wird einer unsere Klassen der Höheren Berufsfachschule Sozialassistenz (BFSH 20a) die Gestaltung der Stolpersteinverlegung übernehmen.

Das Projekt wird in Kooperation mit Lehrkräften Ethik und der Schulsozialarbeit umgesetzt. Dabei setzt sich die Klasse mit den Themen: Rassismus, Diskriminierung und Diversity auseinander.

Die Klasse beschäftigt sich mit der Bedeutung der Stolpersteine und den Opfern des Nationalsozialismus in Ludwigshafen, insbesondere mit dem Schicksal der Familie Koebner.

Die Gestaltung der Stolpersteinverlegung sowie die Vorbereitung und Organisation der Stolpersteinverlegung ist Teil der Projektarbeit.

Shilan Dewitz (Projektleitung)

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