Besuch des Konzentrationslagers Osthofen mit Schülern der BF 2

Beengte Schlafräume, mangelnde Hygiene, Schläge, Brutalität, Schikane durch die Wärter: Die Liste an Grausamkeiten im Alltag des damaligen Konzentrationslagers Osthofen könnte beliebig fortgesetzt werden. Zustände die heutigen Schülerinnen und Schülern fremd sind. „Viele Schüler können sich heute nicht mehr vorstellen, wie es damals gewesen sein muss.“, so Michaela Zund und Henrike Horst-Schneickert, die als Lehrerinnen der Berufsbildenden Schule Sozialwesen, Gesundheit und Hauswirtschaft (BBS SGH), die Gedenkstätte in Osthofen mit Schülern der Berufsfachschule 2 besuchten. Dabei war die Exkursion fächerübergreifend in Ethik und Sozialkunde angelegt.

In den Gebäuden einer ehemaligen Papierfabrik entstand kurz nach der Machtübernahme der NSDAP das KZ Osthofen, wo vom Frühjahr 1933 bis Sommer 1934 Gegner des NS-Regimes, allen voran Mitglieder der KPD, der SPD und Gewerkschafter, aber auch Angehörige des Zentrums, Juden, Zeugen Jehovas, Sinti und andere gefangen gehalten wurden.

Am Beispiel des ersten und sehr früh eingerichteten Konzentrationslagers des damaligen Volksstaates Hessens wird deutlich, was die Nationalsozialisten seit Beginn von Hitlers Amtszeit anstrebten: Die Ausschaltung der Gegner und Ausgrenzung ganzer Gruppen bis hin zur Vernichtung. Zwar wurde im KZ Osthofen in den 17 Monaten seines Bestehens noch kein Häftling ermordet, aber die Gefangenen wurden menschenunwürdig behandelt und misshandelt, erfuhren die Schüler. Viele der Inhaftierten wurden nach der Schließung des Lagers erneut verfolgt, in andere Haftstätten und Lager verschleppt und dann später getötet.

Die unmenschlichen Bedingungen von den beengten Schlafräumen bis hin zum Leerschaufeln der Latrine per Hand, schockierten viele Schüler. „Das sowas bei uns möglich war“ war eine häufige Aussage. Im Unterricht nutzen wir solche Besuche um über ethisches und politisches Handeln ins Gespräch zu kommen, so die Lehrerinnen. Auch die Schulleitung der BBS SGH ist überzeugt von solchen außerschulischen Lernorten: „Wir glauben, dass die Lernenden so einen anderen Zugang zu Themen finden und Ihre persönliche Kompetenzentwicklung weiter nach vorn bringen können.“, so Schulleiter OStD Detlef Krammes und pädagogische Leitung StD'n Katrin Griem.

Henrike Horst-Schneickert
(Referendarin)

Nach oben

kombinierte Abschlussfeier

Nach oben